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PROJEKTE: Frau Köhler sucht Freunde

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Ein Monolog, erarbeitet anlässlich des Symposiums `Krebs und Psyche´ der Ärztekammer für Tirol im November 2009, mit fachkundiger Unterstützung von Frau Dr. Christine Centurioni.

Frau Köhler haut so schnell nichts um, sie steht mit beiden Beinen auf der Erde. Doch wenn sie zur Vorsorgeuntersuchung geht, zittern ihr die Knie. Denn da geht es ums Ganze, ums Leben nämlich. Was wäre wenn? Auf jeden Fall alles anders. Das macht ihr ganz schön Angst und mit der fühlt sie sich ziemlich allein. Aber vielleicht muss das gar nicht sein, das hat sie doch schon mal erlebt.

Ein kleines Stück übers Leben von und mit Beate Albrecht.

 

Textauszug:

`Ist doch nur eine Routineuntersuchung´, hat der Sepp gesagt, Routine, der ist gut, für die Ärzte vielleicht, aber nicht für mich. Bei der Mama war das damals auch eine Routineuntersuchung und zwei Tage später hatte sie eine Brust weniger. Seitdem bin ich Risikogruppe und hab Angst.
 ... Besonders nach der Mammo. ... Ich im Wartezimmer, draußen scheint die Sonne, es lachen die Leut´ und ich werd´ immer stiller. Und dann der Aufruf: `Frau Köhler´ bitte ins Zimmer 2. Ich setz mein souveränstes Lächeln auf, innen drinnen tobt der Vulkan, aber außen bin ich ganz cool, ... und wenn ich dann ins Sprechzimmer komme, entgeht mir nichts.. Letztes Mal hat er gelächelt, der Arzt: Alles in Ordnung, wir sehen uns in einem Jahr wieder.´ Aber was, wenn er diesmal nicht lächelt, so eine befremdliche Betroffenheit entsteht `Setzten Sie sich doch Frau Köhler. ... Also ... der Befund ... wenn Sie hier auf das Röntgen ... also, wir gehen das ganz jetzt mal ruhig an ... Es könnte, muss aber nicht .... 

KKKKKKKKKRRRRRR – Kr, Kr, Kr, ....KREBS. Hört sich schon so fies an. Sitzt einsilbig da und wartet darauf, dass er zuschnappen kann. Und das merkst du nicht einmal ... Die Mama hat es auch nicht gemerkt. Gleich am nächsten Tag sollte sie ins Krankenhaus, zur Operation. Und dann hat sie auch noch Schelte bekommen: `Warum sind Sie denn so spät ....... ein halbes Jahr früher ... ´. Und sie hat nur ` ... Schuld, Schuld, Schuld .... ´ gehört. `Entschuldigung´, hat sie wahrscheinlich geflüstert, `Entschuldigung´ ist nach Hause geschlichen und erst auf der Couch ist sie zusammen gebrochen.
Damals hab ich noch gar nichts kapiert, ich war zu klein, Krebse lebten für mich im Meer, zwickten mich in die Füße, und ich konnte sie dafür essen. Aber diesmal schien uns der Krebs zu fressen. Nicht ganz. Die Mama hat es überlebt und mit dem Schrecken dann gelebt, wie all die vielen anderen.

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