PROJEKTE: Alles muss raus

<< Zurück

Eine Privatisierungsmesse gewiefter Marketingmanager, eine Protestveranstaltung gegen den Ausverkauf der Stadt Witten - und ein daraus resultierender Showdown.

Witten, be happy! Kommen auch Sie zur ersten Privatisierungsmesse Wittens! Freuen Sie sich auf viele schöne Immobilienangebote! Lassen Sie sich von den Ideen unseres Großinvestors inspirieren und klatschen Sie mit, wenn es heißt: ‚Alles muss raus!´

Unter dem Titel „ALLES MUSS RAUS! MACHT PROFIT MIT DEM BANKROTT DER STÄDTE“ veranstaltet ein Zusammenschluss gewiefter Finanz- und Marketingmanager eine Privatisierungsmesse im Stadtpark Witten. Die WITTENER Stadtvermaklung preist zahlreiche Gebäude, Grundstücke und Einrichtungen zum Verkauf an.

Die Eröffnung der Messe beehrt neben Sparkommissar Silberlöffel aus Arnsberg und dem Wittener Stadtvermakler Dr. Bräsig auch Gunter Handschuh, Chef des großen Finanzinvestors TERRA INCOGNITA, der u.a. die Pennyngton, Deutschlands größten Vermieter kontrolliert. Er eröffnet dem staunenden Publikum weitreichende Perspektiven für den Total-Ausverkauf des Eigentums bankrotter Städte.

Die Initiative „Basta! Witten“ hat frühzeitig von der geplanten Messe erfahren und eine Gegenveranstaltung organisiert. Sie zeigt auf, welches Desaster der Ausverkauf bereits hinterlassen hat und wie man sich gegen die Fortsetzung wehren kann. In der zentralen Aula der Ausstellungsräume stoßen die Welten aufeinander.

Wer wird siegen? Alle Ähnlichkeiten mit tatsächlich tätigen Personen, Firmen, Städten und Ereignissen sind selbstverständlich rein zufällig.

Die Uraufführung fand statt am 27.8.2010 um 17 Uhr an der Villa Lohmann zu Witten. Ein Videobericht der WAZ zur Aktion findet sich hier.

 

DarstellerInnen und AutorInnen:

Katharina, Martin, Philipp, Marc, "basta! Wuppertal" , Rainer, Julian, Gina, Petra& the Cheers, Beate, Tobias,  ... und das Volk in Witten

 

Die Wirklichkeit (Hintergrund):

Witten bleibt unser!

Die Stadt Witten ist pleite. Ein Ausgleich des gewaltigen Haushaltsdefizits ist nicht in Sicht. Seit vielen Jahren konzentriert sich deshalb Kommunalpolitik darauf, immer mehr öffentliche Leistungen einzuschränken, die Stadtentwicklung an den Bedürfnissen privater Investoren auszurichten und öffentliche Gebäude und Flächen zu privatisieren.

Jüngster Ausdruck dieser Bestrebungen, die zum großen Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet werden, sind die geplante Bebauung des Kornmarktes mit Büros und der Verkauf der Villa Lohmann (Standesamt) samt 3000 qm im Stadtpark. Weitere Kürzungen, Schließungen und Privatisierungen werden in der Stadtverwaltung diskutiert, darunter die Schließung der Stadtbücherei.

Gegen diese Politik des Totsparens und des Ausverkaufs protestiert seit einigen Monaten die Initiative „basta! Witten“. Wir meinen: Angesichts der Überschuldung ist „Haushaltskonsolidierung“ perspektivlos und führt nur zur weiteren Zerstörung der Daseinsgrundlagen der Stadt.

Mit einem Protest-Happening am 27. August im Stadtpark wollten wir unsere Forderung nach einem Privatisierungs-Moratorium unterstreichen und Perspektiven für den Kampf um das Recht der EinwohnerInnen auf ihre Stadt diskutieren.

 

Textauszug:

Sunny:  Ach da haben wir ja auch das Volk von Witten, hallo und Grüß Gott, wen haben wir denn da, eine einfache Frau aus dem Volk. Kommen Sie hoch, kommen Sie näher. Ah, eine nette Mieterin aus einer ihrer tausenden Wohnungen

Elsa: Mein Name ist Elsa Klingeling. Ich weiß jetzt nicht, was Sie mit diesem „innovativ“ meinen. Aber ich hab da wohl mal eine Frage. Darf ich die mal stellen?“

Gunter: Aber wir sind immer für Fragen von unseren Mietern offen!

Elsa: Ja. Ich frag mich manchmal, wenn ich das so alles höre, mit ihren tollen Ideen, wo sie denn eigentlich das viele Geld hernehmen, dass sie immer ausgeben. Weil ich hab ja mein Leben lang gearbeitet. Und ich frag mich, wie man denn mit seiner Hände Arbeit so viel verdienen kann?“

Gunter: Ich hab auch hart gearbeitet. Wir von der Finanzindustrie sind harte Arbeiter, wir ja alle eigentlich alle nur Dienstleister der Märkte. Das Geld stellen uns die private Pensionskassen, Versicherungen und vermögende Einzelpersonen ja nicht zu Verfügung, damit wir uns drauf ausruhen, sondern damit wir damit arbeiten. Mit diesem Geld kaufen wir Unternehmen, Immobilien, Städte, die schlecht gemanagt werden, bringen sie auf Vordermann, zerlegen sie in verwertbare Einzelteile, erhöhen ihren Wert... Das ist innovativ, das ist dynamisch, das ist kreativ, das ist wertschöpfend!

Elsa: Also das klingt jetzt wieder so schön, was sie da sagen. Aber ich will Ihnen mal was sagen! Gucken se mal: Meine Taschen, die sind leer. Und Ihre? Die sind ja so schwer, dass sie kaum noch ihre Hose richtig sitzen haben! Und jetzt, wo meine Taschen leer sind und da nix mehr drin ist, was man noch greifen kann, da gehen se jetzt und kaufen auch noch auf, was meine Eltern und Großeltern ehrlich erarbeitet haben. Wissen se. Ich kann ja vielleicht nicht so mit Wörtern um mich schmeißen, so wie Sie. So „innoviativ“ und „Dynamomäßig“ und wat sie da so sagen...

 

Die tollen Fotos sind von Birgit Neugebauer - Vielen Dank!

Danke auch an die Wuppertaler für die große Unterstützung!