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Kritiken zu "Durch dick und dünn"

 Theatervorführung: Trittauer Hahnheide-Schule thematisiert Essstörungen

Wenn Schlanksein zum Wahn wird

Probleme zu Hause, Stress in der Schule und Anpassungsdruck führen zu Magersucht. Jedes sechste Mädchen ist betroffen.

Von Alice Friedrich

Trittau -

Es ist keine leichte Kost, die Beate Albrecht (43) und Katja Mergelsberg (30) mit ihrem Theaterstück "Durch dick und dünn" im Forum der Hahnheide-Schule präsentieren. Es geht um Essstörungen, es geht um die Suche nach den eigenen Stärken. Die Haupt- und Realschüler schauen gebannt zu.

Zum Inhalt: Lisa (Katja Mergelsberg) und Nina (Beate Wessel) begegnen sich nach Jahren bei einem Casting wieder. Schon früher in der Schule stand Nina im Rampenlicht, während Lisa in ihrem Schatten verschwand. Lisa kämpft verbittert um Anerkennung, Schönheit und Erfolg - und gerät dabei in einen Teufelskreis: Magersucht. Der Weg daraus ist hart, aber sie hat es geschafft.

Nina dagegen scheint lange Zeit immun gegen den Schlankheitswahn - bis auch ihre Fassade zu bröckeln beginnt. Die erste Diät hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter Alina begonnen. Dass Alina aber nicht mehr aufhören kann, erkennt sie lange nicht. Zu sehr ist sie mit ihrer Karriere beschäftigt und den Versuchen, dem Schönheitsideal bis ins Kleinste zu entsprechen. "Dünn sein wollen doch alle jungen Mädchen, das ist nichts besonderes", hat sie lapidar die Bedenken von Alinas Lehrerin weggewischt. Das ändert sich, als die Tochter im Bus zusammenbricht und Nina ungefragt ihr Tagebuch liest. Im Krankenhaus wird Alina künstlich ernährt.

Alina ist in dem Stück nur als Stimme aus dem Hintergrund präsent. Umso eindringlicher gehen Sätze wie diese bei den Zuhörern unter die Haut: "Am geschlossenen Kühlschrank vorbei. Durchhalten. Jeder Morgen ein Triumph, den ich in Kilo und Gramm messen kann." Oder: "Ich will verschwinden, einfach nicht mehr da sein."

Viele Szenen in dem Zwei-Personen-Stück gaben Hinweise auf die Ursachen von Magersucht und Bulimie (Fress-/Brechsucht). Familiäre Probleme, Stress in der Schule und Anpassungsdruck führen die Schüler in der anschließenden Diskussion mit den beiden Schauspielerinnen an. "Essstörungen sind eine Gesellschaftskrankheit. Jedes vierte bis sechste Mädchen leidet an Essstörungen, bei den Jungen ist es jeder zehnte. Sie leiden vor allem an der sogenannten Sportbulimie, um dem Schönheitsideal zu entsprechen. Drei bis vier Stunden Training am Tag ist auch eine Form von Sucht", sagte Beate Wessels.

"Es ist wichtig, den Schülern die Problematik bewusst zu machen. Es reicht nicht, sie im Biologieunterricht zu behandeln", sagte Kathrin Kläschen, Vertrauenslehrerin an der Hahnheide-Schule. Sie dankte Trittaus Gleichstellungsbeauftragter Alexa Glaveris (27), die das Theater nach Trittau geholt hatte.

erschienen am 20. Dezember 2006