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Kritiken zu "Alkohölle"

Bergsträßer Anzeiger 14. März 2009
Parktheater: Stück "Alkohölle" beschreibt mit viel Einfühlung, wie die legale Droge schon junges Leben verwüsten kann
Fröhlich feiern ohne den Griff zur Flasche
Bensheim. Es ist Montag, der Tag, den Lena nur mit den drei K's übersteht: Keep cool, Kaffee und Kippen. Das durchzechte Wochenende hat Spuren hinterlassen. Der Kater macht ihr zu schaffen - und auch die Alltagssorgen sind wieder da, die sich mit Hochprozentigem partout nicht bewältigen lassen wollen.
"Alkohölle" heißt das Stück, das am Donnerstagmorgen im Parktheater über die Bühne ging. Das Ensemble "Theaterspiel" Witten unter der Leitung von Beate Albrecht hielt so manchem älteren Pennäler einen Spiegel vor - nicht anklagend und fordernd, sondern beschreibend und mit viel Einfühlungsvermögen. Gleich zweimal füllten Schulklassen an diesem Vormittag die Ränge. Sie waren tief berührt von dem Geschehen auf der Bühne.
3,5 Promille im Blut
Das Stück spielt auf zwei Ebenen: Wenn es im weiß gestalteten Bühnenraum dunkel wird, sind Ernst und All, zwei alte Saufkumpane, an der Reihe. Die Beiden sind sehr verschieden.
Ernst ist seit 15 Jahren tot. Mit 3,5 Promille im Blut ist er gegen einen Baum gefahren. Dass der Alkohol in seinem Leben die Regie übernehmen konnte, bereut er nachträglich zutiefst.
All dagegen lebt. Er ist gut drauf und hat jede Menge Trinksprüche auf Lager. Probleme lässt er erst gar nicht an sich rankommen. Stattdessen nimmt er lieber einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Mit seiner neuesten Kreation, einem Alcopop, will er das große Geschäft machen. Er will die Menschen zum Griff zur Flasche verführen, sie gefügig machen und Macht über sie erlangen.
Auf der anderen Seite stehen die Jugendliche Lena und ihre Tante Maxi. Lena arbeitet in der Werbeagentur ihrer Tante. Einerseits ist sie auf dem besten Weg in die Alkoholhölle, ohne es wahrhaben zu wollen. Andererseits wird sie sympathisch gezeichnet, als Identifikationsfigur. Sie ist ein bisschen flippig, hört gern Mainstream-Rock-Pop und ist auch sonst eine ganz normale junge Frau mit viel kreativem Potenzial. Songtexte und knackige Werbeslogans sprudeln regelrecht aus ihr heraus. Doch das Schicksal ihres Vaters lässt sie nicht los.
Verzicht auf Heuchelei
Maxi organisiert ihr Unternehmen zielstrebig und mit sicherer Hand. So erfolgreich wie ihr verstorbener alkoholkranker Bruder Ernst ist sie jedoch nicht. Vor allem will sie nicht mit Auftraggebern aus der einschlägigen Getränkeindustrie zusammenarbeiten. Auch verzichtet sie auf jede Heuchelei und Heimlichtuerei, wenn es um das Ableben ihres Bruders, Lenas Vater, geht.
Anders als der Rest der Familie, spricht sie offen über dessen Alkoholexzesse. Die Verharmlosung ist ihr ebenso verhasst wie die Lügen, die über ihn in Umlauf sind. Ihre deutlichen, ungeschminkten Worte eröffnen Lena neue Perspektiven.
Nachdenkliche Schüler
Das Stück machte die Schüler nachdenklich. Die junge Musikerin Lena, die später zusehends trinkt, wirkt zunächst ausgesprochen sympathisch. Mit ihrem Temperament und ihrem lockeren Auftritt als Rap-Sängerin sorgt sie für Stimmung und gute Laune. Doch spätestens, als sie anfängt zu lallen und sich nicht mehr auf den Beinen halten kann, wird es peinlich. Die Sympathie des jungen Publikums schmolz wie Eis in der Sonne dahin.
In der anschließenden Diskussion provozierte Beate Albrecht mit dem vorgezogenen Aprilscherz, Bürgermeister Herrmann wolle das Winzerfest ganz ohne Alkohol über die Bühne gehenlassen. Was hielten die SchülerInnen davon? Die meisten sprachen sich dagegen aus. Die Besucherzahlen würden drastisch sinken. Außerdem würden die Gäste schon Mittel und Wege finden, um an die legale Droge heranzukommen. Einige SchülerInnen stellten jedoch klar, dass Komasaufen, Filmriss und Blackout definitiv der falsche Weg sind.
Beate Albrecht schilderte einen vergleichbaren Fall in einer Stadt in Tirol, in der jedes Jahr ein Open-Air-Festival mit 10 000 und mehr Besuchern stattfand. Aufgrund des steigenden Alkoholmissbrauchs sprach man ein Alkoholverbot aus. Die Folge: Statt der 10 000 Leute kamen nur noch 500.
Nachdenklich stimmte auch die Lebensgeschichte des Schauspielers Peter Peiseler, der als Ernst auf der Bühne stand. Er bekannte, selbst alkoholkrank zu sein. Seit 21 Jahren habe er keinen Tropfen mehr angerührt. Er erzählte, wie er süchtig wurde und welchen Stellenwert der Fusel als Tröster und Mutmacher für ihn hatte.
Eine Schülerin fragte ihn, wie er mit dem Alkohol umginge, wenn er die Zeit zurückdrehen könnte. Seine Antwort:
"Ich würde die Finger vom Alkohol lassen. Ich brauche ihn nicht als Stimmungsaufheller, ich kann auf Festen und Feiern auch ohne fröhlich sein." moni