PROJEKTE: Omas Vermächtnis

<< Zurück

Eine szenische Lesung zum Antikriegstag am 1.9.2009.

`Der Krieg ist da. Auf der großen Leinwand, über die schwarz-weiße Bilder von brennenden Häusern flimmern. In den Worten, die die sechs Teilnehmer der szenischen Lesung sprechen. Und vor allem in den Köpfen jener, die ihn noch erlebt haben. Doch die, die am Antikriegstag in die Johanniskirche gekommen sind, beten und singen vor allem für den Frieden.

"Viele sind es, die der Einladung des Wittener Friedensforums, des Freundschaftsvereins Tczew-Witten, des DGB und nicht zuletzt der Gemeinde gefolgt sind. Die Kirche ist fast voll ....", schreibt die WAZ / Witten am 2.9.2009 in der Lokalausgabe.

In Zusammenarbeit mit vielen Menschen, die die Schrecken des Krieges erlebt haben, konnte `theaterspiel´ eine szenische Lesung zum Antikriegstag am 1.9.09 auf die Bühne stellen. Der Schwerpunkt bei diesem Projekt lag bei authentischen Berichten über den Krieg. Beteiligt waren Menschen aus Polen, Deutschland und dem Iran.

 

Beteiligte hinter und auf der Bühne:

Detlef Thierig, Christa Thierig, Ania Hardukiewicz, Peter Kieselbach, Bernd Jäger, Narges Puria Pur, Kirsten Mohri, Joachim Schramm, Peter Liedtke, Lea Vehse, Beate Albrecht.

 

Textauszug:

Barbara: (liest) Ein Jahr meines Leben habe ich Krieg erlebt, die anderen im Frieden – dieses eine Jahr hat mein ganzes Leben bestimmt – Krieg ist schrecklich, immer, für alle ... und wenn es dir auch schwer gefallen ist, mir zuzuhören, vielleicht fällt es dir bei den anderen leichter ...

N. : Wo ist meine Stimme ( auf persisch), where is my vote, wo ist mein Stimme - die Bilder aus meiner Heimat sind über die ganze Welt gegangen. Mutige Menschen, die ihr Leben für die Freiheit riskiert und manche es auch verloren haben. Auch die Bilder von schießenden Polizisten und prügelnden Sicherheitsleuten sind über die Welt gegangen. Meine Freunde in Deutschland waren darüber entsetzt, die Politiker hier haben gesagt, dass das islamische Regime damit aufhören soll. Ob sie auch wissen, dass die Schutzanzüge und die Elektroschlagstöcke aus deutscher Produktion stammen, dass die Überwachungstechnik für die Gefängnisse, in denen Männer und Frauen vergewaltigt, gefoltert, ermordet werden von Siemens sind?
Waffen sind immer gegen Menschen, mit Waffen wird viel Geld verdient. Um einen Streit zu schlichten, haben wir ganz kostenlos unseren Mund und unsere Zunge, wann kapieren die Menschen das endlich und wann hören sie mit dem Töten auf

(Lichtwechsel)
.....
Barbara: Geschichten über den Krieg
Klara: Sie hat sie also doch aufgeschrieben
Barbara: Du wusstest davon?
Klara: Nicht von ihr. Einmal habe ich sie dabei überrascht. Ich sollte dir nichts sagen
Barbara: Was?
Klara: Du wolltest von dem alten Kram nichts wissen
Barbara: Das hab ich nie gesagt
Klara: Aber Oma
Barbara: Okay, als ich in deinem Alter war ...
Klara: ... konntest du nichts mehr vom Krieg hören ...
Barbara: Ja schon
Klara: Na also
Barbara: Immer dieselben Geschichten von dröhnenden Flugzeugen, brennenden Häusern, rot gefärbtem Himmel, Toten auf der Strasse ...
Klara: Heftig
Barbara: Deutschland hat den Krieg angefangen, mehr als heftig, oder?
Klara: Haste recht, aber die Leute hatten doch auch Angst ...
Barbara: ... Angst, ja, ist immer schrecklich
Klara: Hier ist noch was
Barbara: ... `Waschzettel für meine Bücher´ ....
Klara: Wir sollen die waschen?
Barbara: Das ist eine Gebrauchsanweisung
Klara: ( liest) Liebe Barbara, liebe Klara ... nun habt ihr also meine Bücher entdeckt. Gut ist das - komisch dagegen, daß ich dann nicht mehr bin, wenn ihr sie lesen werdet.
Barbara: ( liest) Vielleicht werdet ihr jetzt über eure unverbesserliche Mutter und Großmutter den Kopf schütteln, macht das Mal, wenn ihr denn nun zu lesen anfangt.

 (Lichtwechsel)